BWRT ist eine Therapiemethode die noch in den Kinderschuhen steckt. In englischsprachigen Regionen explodiert die Zahl an Therapeuten förmlich, die diese neue Therapie anbieten. Darunter auch einige, die es gezielt gegen Emetophobie einsetzen. So unter anderem auch meine neue Therapeutin Liz. Sie kommt aus Australien.

Was ist BWRT?

Die BrainWorking Recursive Therapy wurde von Terrence Watts 2011 in England entwickelt und erzielte damals schon positive Ergebnisse. Vor allem bei Phobien und Süchten soll sie wohl gut anschlagen. Und das in rasendem Tempo.

Das klingt zu schön um wahr zu sein!

Phobien sollen schon nach ganz wenigen Sitzungen der Vergangenheit angehören und die Rückfallrate sehr gering sein. Aber was genau ist BWRT? Der Erfinder macht darum ein Mysterium und natürlich ist die Skepsis groß. Die Methode ist mit klinischen Studien noch nicht so untermauert, als dass sie es über die englischsprachigen Gebiete hinaus schafft. Bis jetzt gibt es erst eine klinische Studie mit 6-8 Patienten, die man online auf der Website der University of Lincoln downloaden und sich selbst ein Bild davon machen kann. Es gibt zwar nur eine Studie, aber dabei muss man auch bedenken, dass die Therapie erst vor 10 Jahren entwickelt wurde und erst seit 8 Jahren praktiziert wird. Andere Therapien sind weit über 100 Jahre alt und natürlich jahrelang erprobt.

Wie funktioniert BWRT?

Kurz gesagt: BWRT beruht auf den kleinen Zwischenraum zwischen Reiz (Trigger) und Reaktion. Noch bevor uns unser Stammhirn die Information weiter geben kann, wie wir auf eine Situation reagieren sollen, und wir uns dessen bewusst werden, werden die Signale umgeleitet und unser Großhirn verarbeitet sie anders. Bei der Verhaltenstherapie ändert man das Verhalten, also die Reaktion, nachdem wir den Reiz bewusst aufgenommen haben. Deswegen ist das Abgewöhnen auch so langwierig. Bei BWRT setzt man eben einen Schritt davor an: Noch bevor der Reiz eine Reaktion auslöst und uns bewusst wird, wird das Signal umgelenkt, sodass man gleich anders reagiert. Wer genauere Informationen dazu haben möchte (und Englisch kann), kann sich noch auf der Website des Terrence Watts Institut oder der NS Healthcare Webseite schlau machen.

Ist BWRT seriös?

Entwickelt von einem Psychotherapeuten in über 35.000 Stunden mit seinen Patienten, kann man zwar sagen, dass es erprobt ist. Aber ohne die Standards einzuhalten, die es benötigt, damit eine Therapiemethode anerkannt wird, ist es schwierig das zu sagen. In 2020 soll eine klinische Studie gestartet haben, damit BWRT endlich auch vom NHS in England anerkannt wird, und sich somit auch weiter verbreiten kann. Die Methode wird erst seit 8 Jahren praktiziert. Man muss also schauen was die Zukunft bringt. Natürlich war ich anfangs auch skeptisch, aber nachdem ich so viel positives Feedback gelesen habe, dachte ich mir:

Was kann ich dabei verlieren?

Die Kosten und Dauer

Wenn ich auf das Geld zurückblicke, dass ich schon bei anderen Therapiemethoden liegen gelassen habe, ist das Emethophobie-Programm von Liz ein wahres Gottesgeschenk. Man zahlt einmalig einen Pauschalpreis und bekommt dafür Minimum 5 Sitzungen. Ja genau Minimum.

Andere spezifische Phobien benötigen angeblich nur 1-2 Sitzungen, bei der Emetophobie ist das ein wenig anders, denn diese Phobie ist auch anders als die anderen. Es kann immer sein, dass man konfrontiert wird und das ganz plötzlich, ohne Vorankündigung. Wenn es uns nicht gut geht, können wir nicht einfach vor uns davon laufen, oder uns meiden. Deswegen benötigen Emetophobiker auch ein bisschen länger, so in etwa 3-5 Sitzungen. Lächerlich wenn ich darüber nachdenke, wie langwierig die Verhaltenstherapie oder die Traumatherapie waren und nur geringfügig Ergebnisse brachten.

Ablauf einer BWRT Session

Kurz gesagt, du musst eigentlich gar nicht reden, nur zuhören und kognitiv Arbeiten. Man beginnt mit der Vorstellung der schrecklichsten Erinnerung bis zu dem Punkt, wo die Angst am aller größten war und frierst diesen ein. Dann stellst du dir vor, wie es „besser“ laufen hätte können und wie du dich dabei gerne gefühlt hättest. Dann stellst du dir ein Szenario in der Zukunft vor, und wie du es mit dem Wissen von heute mit Bravour meisterst und wie du dich dabei fühlst. Zwischen diesen drei Punkten springst du dann hin und her, ganz nach Anleitung des Therapeuten.

Keine Hypnose

Hypnose schlägt bei den meisten Emetophobikern nicht an, aus dem einfachen Grund, dass sie die Kontrolle nicht abgeben wollen und nicht loslassen können. Bei vielen ist die Angst um den Kontrollverlust so präsent, dass sie sich auf Hypnose nicht einlassen können. BWRT ist keine Hypnose, keine Entspannungstechnik und keine Atemtechnik. Alles passiert rein kognitiv unter der vollen Kontrolle des Patienten.

Vorteile der BWRT gegen Emetophobie

  • Behandelt Phobie & Traumata gleichzeitig
  • Kein Kontrollverlust
  • Keine Konfrontation
  • Kurzweilig, aber permanent
  • Rein kognitiv, kein Sprechen notwendig
  • Selbstbestimmung des zu therapierenden Traumas
  • Therapie kann online erfolgen bei schweren Fällen
  • Zusammengefasst: sanft, einfach und schmerzlos

Was hat mir die erste Session gebracht?

Ich habe das schlimmste Traumata gewählt, an das ich mich erinnern kann. Das mit meinem Cousin im Auto. Als Wunschgefühl habe ich mir überlegt, dass ich einfach nur genervt sein wollte, weil er mein Comicheft ruiniert hat. Und die zukünftige, fabrizierte Erinnerung hatte mit meinem Kind zu tun. Als ich dann zwischen den Erinnerungen hin und her sprang, verschmolzen die Gefühle und irgendwie hab ich nach einiger Zeit rausgezoomt. Nach der Sitzung fragte sie mich dann noch einmal, wie ich mich dabei fühle, wenn ich jetzt an das Erlebnis denke und ich war perplex. Ich fühlte mich nur noch genervt, gar nicht mehr panisch, nervös oder ängstlich.

Den restlichen Tag über war ich gut gelaunt und die generellen Sorgen, die den ganzen Tag in meinem Kopf rumspuckten waren viel leiser, wenn nicht sogar für eine Zeit lang gar nicht vorhanden. Wenn meine Angst vorher 10/10 war, ist sie nun bei 4/10 und das ist ein gewaltiger Sprung nach der ersten Einheit!

Meine neue Therapeutin Liz

BWRT ist im deutschsprachigen Raum noch nicht vertreten, daher ist meine Therapeutin aus Australien. Die Terminfindung gestaltete sich dadurch ein wenig schwieriger, aber es ging. Während sie abends mit mir sprach, war ich gerade mit dem Frühstück fertig. Warum ich sie gewählt habe und nicht einfach jemanden aus London (zwecks Zeitverschiebung), lag daran, dass sie mich verstand. Ich hab mich noch nie mit meiner Emetophobie so verstanden gefühlt, wie bei Liz. Nicht dieses typische allgemeine Gequatsche, sondern sie wusste genau wo meine Ängste liegen! Zum Beispiel sprachen wir gerade über Trigger, da meinte sie:

„… Ja oder wenn dein Kind mitten in der Nacht husten muss und du schnellst im Bett hoch und bist von einem Moment auf den anderen hellwach!“

Es war, als würde sie mir aus der Seele sprechen. Auch auf ihrer Website, war mir, als würde sie das Problem eines Emetophobikers genau kennen. Ebenso hielt sie nichts von einer Konfrontationstherapie bei Emetophobie. Es ist einfach nur eine Qual. Natürlich funktioniert die Konfrontationstherapie bei anderen Phobien, oder bei Zwangsstörungen, aber bei Emetophobie löst sie leider nicht die Ursache.

Fazit

Ich würde jedem Betroffenen mit Emetophobie empfehlen BWRT einmal auszuprobieren. Immerhin stellt diese Therapiemethode ein schnelles Ende in Sicht und falls es nach dem ersten Mal keinerlei Wirkung zeigt, kann man es ja lassen. Verloren hat man dadurch nichts, aber man kann viel gewinnen. Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich diese Therapiemethode weiterentwickelt und ob sie sich auch einmal im deutschsprachigen Raum etablieren wird. Wenn ihr Fragen zur Therapie habt, könnt ihr sie gerne unten in der Kommentarfunktion stellen.

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